Wirtschaft, Politik und Leben in Bayern

MENÜ
MENÜ

Münchner Symposium über Kinderrechte: “Angst um die Zukunft von Kindern und Enkeln”

von MARTIN D. WIND

MÜNCHEN – „Kinder sind Menschen. Menschenrechte gelten für alle Menschen“. So banal kann es werden, wenn man sich mit politischen Forderungen auseinandersetzt. So einfach können Diskussionen zum Thema „Kinderrechte ins Grundgesetz“ beendet sein. Zumindest auf der juristischen Ebene, so man Prof. Jörg Benedict, Rechtswissenschaftler an der Uni Rostock, in seiner Argumentation folgt. Aber so vernünftig geht es in der Gesellschaft nicht zu: Ideologische und politische Ziele durchkreuzen den Diskurs. Diese gesellschaftlichen Befindlichkeiten nahmen einen großen Teil des Auftaktreferates zum Symposiums „Elternrechte versus Staat: Wohin führen „Kinderrechte“ im Grundgesetz?“ ein.

Veranstaltet wurde dieses Symposium gestern in München von Hedwig von Beverfoerde, deren Organisation „Demo für alle“ in Kooperation mit der internationalen Stiftung „CitizenGO“ um deren Sprecher Eduard Pröls. Rund 400 Gäste hatten in der Wappenhalle in Riem die Möglichkeit, sich Gedanken über die eigentlichen Ziele der Befürworter der „Kinderrechte“ und deren Aufnahme ins Grundgesetz zu machen. Quintessenz des Vortrags von Prof. Benedict: Der Staat löst die Einheit zwischen Kindern und Eltern innerhalb der Familie auf. Er setzt sich zwischen die beiden Rechtssubjekte und ernennt sich zum „versöhnenden Element“. Diese Vorstellung von „Familie“ kam beim Publikum nicht gut an.

Die Kinder- und Jugendtherapeutin Dr. med.Elke Möller-Nehring und Elisabeth Suntinger, Leiterin eines Kindergartens in Erlangen, aus dem von behördlichen Vorgaben geprägten Alltag eines Kindergartens. Hier schlagen „Kinderrechte“ sich bereits in „Partizipationsvorgaben“ nieder. Partizipation räumt den Kindern zwischen drei und sechs Jahren massive Mitbestimmungsrechte ein, die von der Personalauswahl über Geldverwendung, Raumgestaltung bis hin zum Umgang mit Hygiene reichen können: „Ich, das Kind, bestimme, ob, wann und von wem ich gewickelt werden will.“. Gleichzeitig fördere dieses Prinzip die Distanz zwischen den Erziehungs- und Bezugspersonen und den Kindern. Die sollen bei ihren Entscheidungen unbeeinflusst sein und damit alleine gelassen werden. Für die Damen eine ungesunde Entwicklung, die zu Überforderung führe: „Die Kinder schalten ab“.

Ein engagiertes Plädoyer für die Verteidigung der Elternrechte gegenüber den Übergriffsversuchen aus der Politik, legte der Philosophie- und Theologie-Professor Thomas Stark vor. Er machte deutlich, dass der Staat zwar die Pflicht habe, Eltern dazu zu befähigen, Ihre Kinder aufzuziehen und zu erziehen, dass er sich aber so weit wie möglich zurückhalten müsse: „Eingriffe in die Familie mindern die Leistungsfähigkeit der Familie und damit deren Fähigkeit zum Einbringen der Familie in die Gesellschaft.“ Der Staat schwäche die Keimzelle der Gesellschaft. Dem Staat stünden laut Stark nur subsidiäre Rechte im Umgang mit Familie zu. Eltern hätten das Recht, im Rahmen der Gesetze frei über Methoden und Ziele der Erziehung zu entscheiden. Selbst wenn diese Ziele nicht den Vorstellungen der Politik entsprächen oder die Eltern die selbstgesteckten Ziele nicht erreichten, solle und müsse der Staat sich aus Erziehung heraushalten. Diese Grundsätze würden durch die Aufnahme vorgeblicher „Kinderrechte“ ins Grundgesetz verletzt.

Berührende Beispiele tragischer Eingriffe der Behörden nach selbstgestrickten „Kinderrechten“ lieferte Laurence Wilkinson , juristischer Berater der Allianz für die Verteidigung der Freiheit (ADF International). Er berichtete von behördlichen Entscheidungen über Leben und Tod aus Großbritannien. Dort wurden gegen den Willen der Eltern lebenserhaltende medizinische Apparate für Kinder abgeschaltet. Beinahe schon berüchtigt sind Übergriffe der norwegischen Behörden: Es genügt „abweichender Meinung“ zu sein, um die Kinder weggenommen zu bekommen. Völliges Unverständnis zeigte Wilkinson für die Schulpflicht. Andere Länder zeigten, dass eine Bildungspflicht genüge, um Kindern eine zukunftsfähige Bildung zu ermöglichen.

Bestätigt wurde diese These von Patricia Fröhlich, einer Mutter und Rechtsanwältin aus den USA, die ihre Kinder in Stuttgart zuhause unterrichtet. Sie berichtete dass in den USA inzwischen Universitäten um Studenten werben, die sich ihre Bildung zuhause angeeignet haben, da sie im Schnitt um 13 Prozent bessere Ergebnisse erreichten, als staatlich beschulte Kinder. Mit ihr diskutierten in einer abschließenden Gesprächsrunde zum Thema „Elternverantwortung heute – Lust oder Last?“ der sich selbst als „libertär“ bezeichnende Wirtschaftsphilosoph Prof. Gerd Habermann (Der Sozialstaat zerstört die Familie), der ehemaligen Vorsitzende des Familienbundes der Katholiken in Bayern, Prof. Johannes Schröter (Wenn der Staat sich einen „guten Menschen“ definieren will, dann ist das der Einstieg in den Totalitarismus.) und Sabine Weigert, Sprecherin der Elternaktion Bayern (Eltern wehren sich immer öfter erfolgreich gegen die Indoktrination ihrer Kinder durch Lehrerinnen oder Erzieher.). Sie setzten mit der munteren Runde den Punkt unter eine informative Veranstaltung. Fazit einer Besucherin: „Wenn man erfährt, was da aus ideologischen Gründen gegen die Familie und gegen Eltern in Stellung gebracht werden soll, dann bekommt man Angst um die Zukunft der Kinder und Enkel.“

Lesen Sie zum Thema auch Folgendes:
denken-erwuenscht

Bildquellen

  • Symposium_23.02.2019_Kinderrechte: demo für alle

Ähnliche Beiträge