Wirtschaft, Politik und Leben in Bayern

MENÜ
MENÜ

Heftiger CSU-Streit um das Anbiedern an die Grünen: Bei der Frauenquote wurde es knapp für Söder

von KLAUS KELLE

MÜNCHEN – Wie große Teile der CDU auch hat die Basis der bayerischen Schwesterpartei spürbar die Nase voll von der Anpassung der Union an die Grünen. Das bekam CSU-Chef Markus Söder heute zu spüren, als es beimm Parteitag der Christsozialen in der Olymmpiahalle um die Einführung einer neuen Frauenquote in der CSU ging. Die Union soll ja nach dem Willen der Parteiführung(en) jünger, digitaler und weiblicher werden.

Nach leidenschaftlicher Debatte wurde beschlossen, die bestehende 40-Prozent-Quote im Landesvorstand und in den Bezirksvorständen zukünftig auch für Kreisvorstände einzuführen – allerdings nicht verpflichtend, sondern nur als Soll-Bestimmung. Ein Kompromissvorschlag der Frauen Union (FU), der eine sich abzeichnende deutliche Niederlage für Söder verhinderte.

“Bei den ganz jungen Frauen schneiden wir verheerend ab”, hatte Söder, der zuvor mit einem Top-Ergebnis (91,3% bei allerdings 100 Enthaltungen von 833 Delegierten) wieder als Vorsitzender gewählt worden war, appelliert. Und – ein Offenbarungseid: “Wir entscheiden auch darüber, wie wir von draußen gesehen werden.“ Also nicht, was richtig oder falsch ist, sondern wie man “draußen” gesehen werde. Nur um Fassade ging es, das Anbiedern an den Zeitgeist.

Wie sehr es tatsächlich in der CSU brodelt, zeigte dann der Verlauf der Debatte. Der Beifall bei Wortbeiträgen der Gegner einer verschärften Frauenquote war deutlich intensiver und lauter im mit 3000 Delegierten und Gästen gefüllten Saal. „Sie erreichen damit nur, dass Ihr Foto vom Vorstand wunderbar ausschaut“, ätzte ein Delegierter unter Beifall. Und: “Jede Frau, die etwas auf dem Kasten“ hat und in Ämter kommen will, kommt da auch rein.” Ein anderer Delegierter stellte fest: “Mit all diesen Vorschlägen hechelt der Vorstand hinter den Grünen her.” Und der Brüller “Wo bleibt die Quote für das dritte Geschlecht?”

Das Unbehagen über die Anbiederung an den linksgrünen Zeitgeist wurde an diesem Tag sichtbar wie nie vorher bei der CSU. Auf den Gängen hörte man lautstarke Streitgespräche, wo über Intransparenz und Vetternwirtschaft, Hinterzimmmer-Entscheidungen und Postengeschacher geschimpft wurde.

Wenigstens eine drohende Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten der Union wendeten die Delegierten ab. Die Junge Union (JU) hatte das zuletzt – flankiert von der konservvativen Basisbewegung WerteUnion – gefordert. Aber zu viel Basisdemokratie wollte die bayerische Mutterpartei dann doch lieber nicht…

Bildquellen

  • Markus_Söder_CSU: csu

Ähnliche Beiträge