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Ein Lied, das man nicht singen darf: Auch AfD-Fraktionschef Plenk tritt aus

von KLAUS KELLE

MÜNCHEN – Spontan fühlt man sich an das Lied von den “Zehn kleinen Neg…” erinnert. Aus Gründen der politischen Korrektheit nenne ich den Titel des Ihnen allen bekannten Kinderliedes hier jetzt nicht in voller Länge. Sie wissen schon, man muss vorsichtig sein im bunten Deutschland der Vielfalt. Nicht, dass irgendeine Geisterjägerin wieder ein Buch über die gefährlichen Umtriebe von Rechtspopulisten in den Medien schreibt…

Jedenfalls hat der Fraktionsvorsitzende der AfD im Bayerischen Landtag, Markus Plenk, gestern seinen Austritt aus Fraktion und Partei angekündigt. Plenk sagte, er habe es satt, “bürgerliche Fassade einer im Kern fremdenfeindlichen Partei” zu sein. Er wolle nicht “mitschuldig an der Spaltung der Gesellschaft” und der “Zersetzung der Demokratie” sein, die Teile der AfD betrieben. Plenk wörtlich: “Manche von denen sind zu allem fähig!“

Die Co-Chefin der Fraktion, Katrin Ebner-Steiner, bleibt im Amt. Sie wird dem rechtsnationalen “Höcke-Flügel” der Partei zugerechnet. Darüber wird man sich freuen in Schnellroda, jedenfalls noch für eine gewisse Zeit. Endlich sind sie weg, diese Leute, die unser System nicht verachten, sondern im konservativen Sinne neu gestalten wollen. Endlich Platz für neue Kameraden und nicht diese “Systemlinge”, wie man AfD-intern Menschen bezeichnet, die es mit Demokratie und Rechtsstaat ernst meinen. Und das sind Gott sei Dank viele in der AfD.

Vor einer Woche war bereits der Mittelfranke Raimund Swoboda aus der Bayerischen AfD-Fraktion ausgeschieden, in der nach seiner Ansicht, “rechtsradikale Gesinnungshasardeure” unterwegs seien. Der AfD-Abgeordnete Franz Bergmüller aus Oberbayern solidarisierte sich mit Swoboda, woraufhin ihm mehrere Abgeordnete mit dem Rauswurf drohten.

Die Turbulenzen in der bayerischen AfD zeigen symptomatisch, dass diese Partei trotz aller Wahlerfolge noch lange keine etablierte Kraft ist. Jetzt werden sich die Reihen in der blauen Wagenburg erstmal wieder schließen um Ebner-Steiner und die Ihren. Business as usual. Böse Verschwörung des Systems, der Björn ist gar nicht radikal, und Plenk war nie ein richtiger Konservativer, und blabla… immer die gleiche Leier. Dabei lautet das Thema ganz anders: Wenn die AfD nicht die Kraft aufbringt, sich von ihren völkischen Traumtänzern und vom “rechten Narrensaum” (wörtlich Beatrix von Storch) zu lösen, wird das nichts mit einer konservativen Kraft, die auf Dauer ernstgenommen wird.

Markus Plenk möchte jetzt in die CSU-Fraktion wechseln. Dafür darf er einen veritablen Shitstorm seiner früheren Parteifreunde erwarten. “Verräter” mag man beim Flügel nicht so gern… Ob die CSU Plenk aufnimmt, ist ungewiss. Als der Abgeordnete Steffen Königer in Brandenburg aus der AfD austrat und zur CDU wechseln wollte, ließen ihn die Christdemokraten kalt abblitzen…

Bildquellen

  • Markus_Plenk_AfD: afd fraktion bayern

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