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Ein Gottesmann, der gedient und gelitten hat: Bischof Zdarsa setzt sich zur Ruhe

von PHILIPP FELS

AUGSBURG – Vor neun Jahren erhielt Bischof Konrad Zdarsa von Papst Benedikt XVI den Auftrag, als Hirte in das Bistum Augsburg zu gehen, um dort die Nachfolge des zurückgetretenen Bischofs Walter Mixa anzutreten. Zuvor war Zdarsa Bischof des Bistums Görlitz, des jüngsten und mit rund 30.000 Katholiken von der Mitgliederzahl her kleinsten Bistums auf deutschem Boden. Nun sollte er in das traditionsreiche Augsburg gehen, das damals skandalgeschüttelt und mit rund 1,3 Millionen Gläubigen beinahe 44 mal größer ist als Görlitz. Am 7. Juni wird er seinen 75. Geburtstag begehen. Nach kirchlichem Recht muss er dann dem Papst seinen Amtsverzicht anbieten.

Bischof Konrad folgte, wie wir heute wissen, dieser Berufung seitens des Papstes „im Gehorsam“ und trat sein Amt im Oktober 2010 an. Nach dem Bischofssitz hatte er sich – im Gegensatz zu manchem anderen – sicher nicht gedrängt. Ihm war bewusst, dass er in ein zerrüttetes Bistum kommen würde. Ihm war bewusst, dass die Streitparteien versuchen würden, „den Neuen“ auf ihre Seite zu ziehen. Ihm war bewusst, welche Bürde ihm aufgeladen wurde. Das war in manchen Äußerung während seiner Amtszeit für den aufmerksamen Zuhörer durchaus erkennbar.

Es ging kaum Zeit ins Land, da wurden medial die ersten „Kritikpunkte“ verbreitet: Eine Gemeinderätin fühlte sich nicht ausreichend in des Bischofs Entscheidungen einbezogen, ein „kritischer Priester“ stieß sich am barmherzigen Umgang mit Bischof em. Mixa und selbstverständlich beklagten viele, deren Interessen nach eigenem Empfinden nicht angemessen Beachtung fanden, „der Zdarsa“ sei nicht „dialogbereit“. Das war der mediale Aufgalopp in der bei vielen Lesern als „Alpen-Prawda“ verschrienen „Süddeutschen Zeitung“. Nun wurde der Bischof gegenüber Medien spürbar zurückhaltend. Zu Recht, wie sich herausstelle.

Die Regionalzeitung „Augsburger Allgemeine“ (AA) wollte der Konkurrenz nicht nachstehen: Durch Verrat kam die Redaktion Anfang 2012 an einen Entwurf der „Pastorale Raumplanung 2025“. Bischof Konrad wollte das Papier den Gemeinden in einem Bischofswort selbst vorstellen. Vor dem Veröffentlichungstermin druckte die AA jedoch tendenziös ausgesuchte Textteile. Die Auswahl, die „einordnende Interpretation“ und die Kommentierung der Redaktion der AA erweckte den Eindruck, Zdarsa wolle seine persönlichen Vorstellungen der künftigen Diözesanstruktur autoritär durchsetzen. Der Bischof hatte keine Chance zur Erläuterung. Sofort schlugen die Wogen hoch: Danach war es erkennbar um die Bereitschaft des Bischofs für einen Dialog mit dieser sprungbereit aggressiven medialen Öffentlichkeit geschehen. Künftig beschränkte er sich auf die Kernaufgaben seines Amtes und wirkte in erster Linie nach Innen. Das mögen manche bedauert haben. Auf der anderen Seite gaben ihm abschreckende Beispiele gegenteiligen Verhaltens einiger (Erz)Bischöfe recht, die durch ihren Drang in die Medien nicht gerade die Gläubigen stärken und die „Herde zusammenhalten“.

Im persönlichen Umgang ist Konrad Zdarsa charmant und angenehm. Im Auftreten und Anspruch beinahe schon zu zurückhaltend und bescheiden. Sein spitzbübischer Witz erheiterte so manche Gesprächsrunde. Wurde er persönlich angegriffen oder stellte er fest, dass Menschen seine Argumente nicht durchdenken wollten, konnte er allerdings auch deutlich und sehr klar werden. Sicher war da die sowohl medial und in Gremien immer wieder kolportierte Falschbehauptung, der Bischof habe die „Wortgottesfeier verboten“, ein massives Ärgernis. Wahr ist, dass Zdarsa Wort-Gottes-Feiern an Werktagen jederzeit zugelassen hatte. Allerdings verteidigt er die Eucharistiefeier in der Heiligen Messe als zentralen Ausdruck des Glaubens der Kirche. Die Wort-Gottes-Feiern sollen demnach am „Tag des Herrn“ nur ausnahmsweise und nur dann begangen werden, wenn kein Priester zugegen sein kann. Mit großer Geduld hatte er das wieder und wieder erklärt. Aber an der geistigen Hartleibgkeit mancher Menschen kommen selbst Geduld und ein Bischof Zdarsa nicht vorbei.

Seine grundsätzliche Hinwendung zu den Menschen zeigte sich auch beim Besuch eines schwerkranken Redakteurs im Krankenhaus, der ihm aus der Redaktion der AA übel mitgespielt hatte. Da „vergaß“ Zdarsa die Häme und teilweise übergriffigen Frechheiten gegen das Amt, die Kirche und gegen seine Person. Für den Fall, dass man im Vatikan sein Rücktrittsangebot annimmt, will er in seine Wohnung nach Dresden ziehen. Dort, so sagt er in einem Interview, sei die Landschaft, die er kenne, dort sei er aufgewachsen und sozialisiert. Bleibt zu hoffen, dass er neben priesterlichen Diensten, die er noch wahrnehmen will, seinen wohlverdienten Ruhestand wird genießen können.

Bildquellen

  • Bischof_Zdarsa_Augsburg: bistum augsburg

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