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Covid-19-Demo auf dem Marienplatz: Kritik am martialischen Auftreten der Polizei

von KLAUS KELLE

MÜNCHEN – Auch in der bayerischen Landeshauptstadt wurde heute wieder gegen die anhaltenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Bürger in der Corona-Krise demonstriert. Auf dem Marienplatz versammelten sich bei strömendem Regen dabei vielleicht 200 Teilnehmer zu einem Protest “der an Harmlodiggkeit nicht zu überbieten war”, wie mit ein Freund gerade am Telefon erzählte, der dabei war, um sich das anzuschauen. Die Teilnehmer hätten Abstand gehalten, seien nicht aggressiv gewesen, sondern hörten Rednern zu, die ihre Kritik in angemessenem Ton formulierten. Ein friedlicher Protest, eines demokratischen Rechtsstaates würdig. Und ungewöhnlich, die Demonstranten schienen eher aus der linken Szene zu kommen als die üblichen Verdächtigen aus der rechten.

Als die Demo beendet war und – auch aufgrund des schlechten Wetters – viele Teilnehmer den Marienplatz verließen, sei ein Mannschaftswagen der Polizei auf den Platz gefahren, von wo aus mit einem Lautsprecher fast unverständlich aufgefordert wurde, den Platz zu verlassen. Polizistinnen eines “Kommunikationsteams” hätten der Aufforderung durch persönliche Ansprache der Umstehenden Nachdruck verliehen. Mein Bekannter, ein wirklich guter Freund, erklärte einer der Polizistinnen, dass er nicht einmal Teilnehmer war, sondern nur ein interessierter Bürger, auch ohne Transparent, doch das ließ sie nicht gelten. Jetzt sei Corona und der Platz müsse geräumt werden. Als dann immer mehr – wohlgemerkt NACH Ende der Veranstaltung, als sich alles langsam auflöste – Polizeifahrzeuge und Spezialeinheiten in Kampfanzügen und teilweise mit schwarzen Masken über dem Kopf aufmarschierten, sei der Stimmung komplett umgeschlagen. “Wären die hier nicht so martialisch auf den Platz marschiert, wäre die Veranstaltung einfach vorbei gewesen.” Mein Freund, ein Unternehmer absolut bürgerlich, der vorher noch nie bei so einer Demo gewesen war, zeigte sich fassungslos über das Verhalten der Sicherheitskräfte. “So ähnlich müsen sich die Leute damals in der DDR gefühlt haben”, beendet er unser Gespräch…

Foto: Themenfoto, nicht aktuell!

Bildquellen

  • SEK_2: sek-einsatz.de

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