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Bayerische Kirchen besorgt über hohe Zahl der Kirchenaustritte: Vielleicht mal wieder mit Gott befassen?

von MARTIN D. WIND

Schmallippig geben sich der Erzbischof der Kirche im Erzbistum München, und Freising, Reinhard Kardinal Marx, sowie der evangelisch-lutherische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm. Sie wollen einen Bericht des Bayerischen Rundfunks nicht kommentieren. Dessen Autor hat 69 bayerische Standesämter in Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern nach den Zahlen der Kirchenaustritte im Jahr 2018 befragt. Die Ergebnisse müsste für die Amtsträger der kirchensteuerfinanzierten Gemeinschaften alarmierend sein: Im Durchschnitt sollen 25 Prozent mehr Menschen bei den Standesämtern ihren Austritt erklärt haben, als im Jahr 2017. Die Spanne der Zahlen reicht von mehr als 74 Prozent Zunahme in Bad Kissingen bis hin zu rund 18 Prozent weniger in Weiden.

In München bedeutet ein Plus von „nur“ 16 Prozent, dass 2018 genau 13.879 Menschen mehr als 2017 in der Residenzstadt des Kardinals und am Amtssitz des Landesbischofs mit diesen beiden nichts mehr zu tun haben wollen. In Bad Kissing sind 133 Austritte hingegen eine Steigerung um 74 Prozent. Beide – sowohl Kardinal Marx wie auch Landesbischof Bedford-Strohm – sind nicht dafür bekannt, sich Zurückhaltung aufzuerlegen, wenn es gilt, medienwirksam ihre Meinungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Sie nutzen gerne die Relevanz, die ihnen wegen ihrer Ämter medial zugeschrieben wird: Bedford-Strohm ist „Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland“ (EKD). Marx schmückt sich mit dem Titel „Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz“ (DBK).

Man könnte diesen Spitzenfunktionären die üblichen Ratschläge geben: Sie müssten die Organisation „zeitgemäßer“ machen, „schönere“ oder „festlichere“ Kultveranstaltungen initiieren oder einen Rund-um-die-Uhr Dienstleistungsservice einrichten. Dabei wird übersehen, dass die Priester und Gemeindeleiter eher weniger die Probleme verursachen, die die Menschen aus den Steuergemeinschaften treiben.

Die EKD exerziert, wohin die Anpassung an die Welt führt: Sie verliert Mitglieder, an Bedeutung und die Kompetenz, die sie sich selbst zuschreibt: mündigen Christen eine Heimat zu bieten. Erstaunlich, dass einige katholische Bischöfe das Heil der Kirche darin erkennen, die Fehler der EKD nachzumachen. Der beliebteste Fehler ist die Anbiederung an den Zeitgeist. Kardinal Marx und seine Amtsbrüder aus den Bistümern Essen und Münster sind da beredte Beispiele. Sowohl Felix Genn aus Münster als auch Franz-Josef Overbeck und eben Marx tun sich derzeit dadurch hervor, dass sie weniger über das Evangelium reden, als sich vielmehr populär-politisch zu positionieren oder aber die von Jesus her überlieferte Lehre der Kirche in Frage zu stellen, um sich weltlich und gesellschaftlich lautstarken Minderheiten anzubiedern. Etwas, was man aus der EKD seit langem gut kennt.

Es bringt auch nichts, wenn man beim BR in der Mottenkiste kramt, „Finanzskandale“ hervorzieht und auf die „üblichen Verdächtigen“ zeigt: Limburg und neuerdings Eichstätt. Ein Journalist mit Sachwissen hätte sich nicht auf diese falsche Spur bringen lassen, denn in München wurde die Residenz des Kardinals mit Steuergeld der Öffentlichkeit teuer renoviert und ein Ordinariat gebaut, das angesichts der Katholikenzahl überdimensioniert ist. Netter Versuch, von der eigentlichen Malaise abzulenken.

Denn der Beitrag des BR hat einen wahren Kern: Der versteckt sich in ein paar Sätzen des Don Bosco Salesianers, Pater Alfons Friedrich. Er stellt die These auf: „Sie (die Menschen, Anm. d. Red.) erleben die Kirche als etwas, das sie nicht mehr brauchen können. Und was ich nicht mehr brauchen kann, das ist heute ganz einfach: Dann will ich es auch nicht mehr haben.“ Hier wäre journalistisch die Frage angebracht gewesen, weshalb die Menschen die „Kirche nicht mehr brauchen“. Da dämmert die Erkenntnis, dass Bedford-Strohm und Marx offensichtlich politische Verlautbarungen der unverfälschten Verkündigung des Evangeliums vorziehen.

In der Politik tummeln sich Menschen, die das hauptberuflich betreiben, die seit Jahrzehnten Programme permanent dem vermeintlichen Willen der Wahlklientel und dem Zeitgeist anpassen. Man stellt als Erwachsener keine moralischen Ansprüche mehr an dieses System. An die Kirche hingegen schon. Da soll Wahrheit verkündet werden, nicht Relativismus, da soll transzendente Rückbindung und Unverfügbarkeit der Lehre vermittelt werden. Stellt man sich aber permanent selbst in Frage, nimmt man die eigene Lehre nicht ernst, verweist man nicht mehr auf das „Überirdische“, das „Göttliche, sondern kraucht nur noch im Weltlichen herum, dann verliert man gegen die Politprofis. Heute bietet auf Erden eine fundamentalistische Ideologie wie die der Grünen mehr „Erlösungsversprechen“ durch Ökoablass als so manche Predigt der beiden Herren für die Ewigkeit. Und jetzt mal ehrlich: Weshalb sollte ich eine gewollt wirkende Kopie wählen, wenn ich günstig und besser das Original als Wohlfühlgemeinschaft und Sinnstifter wählen kann? Und dann kostet die noch nicht mal Zwangsbeitrag – außer natürlich der Rundfunkgebühren.

Bildquellen

  • Katholisch_Ramsau: pixabay

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