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Auch in Bayern sind Bürgerliche zunehmend unzufrieden

MÜNCHEN/NÜRNBERG – “Das kann nicht so bleiben…” Gebetsmühlenartig wiederholt der Medienunternehmer und konservative Publizist Klaus Kelle (59, Foto)) bei “Bürgerlich-Konservativen Stammtischen” überall in Deutschland diesen Satz. Seit der Bundestagswahl 2017 haben SPD, Linke und Grüne im Deutschen Bundestag nur noch 40 Prozent der Sitze. 60 Prozent der Wähler wollten eine andere Politik, doch Berlin mache so weiter, als sei nichts geschehen. Kelle: “Und dann stellt sich die Kanzlerin am Tag nach der verheerenden Wahlschlappe vor die Kameras und sagt: ‘Wir müssen den Menschen zeigen, dass wir das Ergebnis verstanden haben.’ Kelle weiter: “Und was machen Sie? Eine neue große Koalition der Verlierer.” So etwas könne man rational nicht mehr nachvollziehen.

In München und Nürnberg trafen sich Dutzende unzufriedene Bürgerliche, vornehmlich Anhänger und Mitglieder der CSU. Die große Mehrheit steht zum neuen Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Markus Söder. Aber seine ersten Äußerungen lösen allerorten Kopfschütteln aus. Bayern – das Musterland der Integration? Ja klar, der Freistaat will grundsätzlich in allen Bereichen das Musterland sein. Aber wäre es nicht mal an der Zeit, das Musterland der traditionellen Familien zu sein? Das Musterland der rechtsstaatlich sauberen und konsequenten Abschiebungen in Deutschland?

Die “Bürgerlichen” an den Stammtischen in Bayern ebenso wie in Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen sind unzufrieden mit ihren etablierten Parteien. Offen wird am Stammtisch erzählt von “Erbhöfen”, wo Wahlkreise von CSU-Bewerber zu selbst ausgewählten CSU-Bewerbern in der Nachfolge übernommen werden. Wo offener Diskurs und Auswahl zwischen unterschiedlichsten Kandidaten kaum mehr möglich sei. Verstaubt sei der Freistaat, träge und lahm die seit Jahrzehnten dominierenden Christsozialen, die sich auf den Lorbeeren vergangener Erfolge ausruhen. Die aber im Grunde keine Rezepte anbieten gegen den Hype um die Grünen und die Erfolgsserie der AfD.

Wie ist es möglich, dass in einem Land wie Bayern, das sich auf stolze Traditionen und den katholischen Glauben beruft, in dem in der Regel absolute Mahrheiten bei Wahlen eingefahren werden, der Bayerische Rundfunk (BR) so “eine linke Quasselbude” werden konnte?

“Der Leidensdruck ist hier noch nicht so groß wie anderswo in Deutschland”, analysiert einer am Stammtisch in einem Münchner Brauhaus. Bayern sei im Vergleich mit anderen Ländern immer noch ein Paradies. Aber in einem waren sich die Teilnehmer der Stammtische in München und Nürnberg einig: “Wir müssen aufwachen und aufstehen. Sonst werden wir eines Morgens in einem ganz anderen Bayern aufwachen und uns fragen, welches Geschlecht wir heute wohl haben möchten…”

Bildquellen

  • Klaus_Kelle_München_2019: bayern.jetzt

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